5 Thesen nach der Wahl in Schleswig-Holstein

Für eine abschließende Analyse ist es sicher noch zu früh, aber um mal ein paar Diskussionen anzustoßen:

1.) Das Ergebnis liegt in der Bandbreite der Ergebnisse der letzten Landtagswahlen (also denen nach der Europawahl). Es spricht somit viel dafür, dass das Ergebnis maßgeblicher vom Image der Bundespartei als von der Arbeit der Landtagsfraktion geprägt ist.

2.) Ohnehin halte ich den Einfluss der Arbeit einer Landtagsfraktion auf das kommende Wahlergebnis für gering. Diejenigen, die vor der Piratenpartei schon wählen durften, mögen sich mal fragen, wie oft sie sich vor einer solchen Wahlentscheidung überhaupt über die Arbeit der Landtagsfraktionen informiert haben…

3.) Aus ähnlichen Gründen halte ich die Programmatik für überbewertet. Man wählt „Image“ und/oder „Köpfe“. Ob es nun schmeckt oder nicht – der Hype im ersten Halbjahr 2012 war ein Marina-Hype (ich bin Jahre später noch darauf angesprochen worden, wann sie denn wiederkomme).

4.) Abgesehen von einem massentauglichen „Gesicht nach außen“ fehlt auch das Image, und das wiederum hängt viel mit der Glaubwürdigkeit zusammen. Wir haben z.B. die „jeder kann mitmachen“-Demokratie versprochen und haben das nicht zum performen bekommen.

5.) Apropos Glaubwürdigkeit: Bei jeder Wahl zu versprechen, mehr als 5% zu bekommen (oder sogar 13,37%) und dann erheblich darunter zu liegen, ist ein Frontalangriff auf die eigene Glaubwürdigkeit. Da sollten wir dringendst eine andere Linie finden.

5 Gedanken zu „5 Thesen nach der Wahl in Schleswig-Holstein“

  1. Zu 3.)
    Die eigentlich Frage ist doch: Wie startet man einen Personen-Hype?
    Marina kannte bei der Berlinwahl 2011 auch fast keiner, sie war eben zufälligerweise zu dem Zeitpunkt im BuVo. Wo soll so eine Initialzündung vergleichbar zum Erfolg in Berlin noch einmal herkommen? Selbst wenn die Piraten jetzt z.B. Anja als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl in den Vordergrund stellen, die Menschen in Deutschland kennen sie nicht und die Medien interessieren sich bei der derzeitigen Piraten-Irrelevanz überregional auch nicht wirklich für sie.

    Patrick hat im Landtag vermutlich mehr Rückgrat gezeigt als die Abgeordneten aller anderen Parteien dort zusammen. Z.B. durch die Rückzahlung von zehntausenden Euro an Zulagen die er sich als Fraktionsvorsitzender verdient hatte. Ich habe mich schon vor der Wahl gefragt, warum das nicht von den Wählern honoriert wird. Wie ich das mitbekommen habe, wurde von den Piraten in Schleswig-Holstein ihr Spitzenkandidaten durchaus nach vorne gestellt. Und andere Parteien hatten im Vergleich teils eher Unsympathen als Spitzenpersonal zu bieten. Nichtsdestotrotz ist mir auch nicht die zündende Idee gekommen, wie man den Piraten im Norden hätte helfen können, einen Patrick-Hype auszulösen.

    Die Programmatik alleine gewinnt kaum Wähler, da würde ich zustimmen, sie wird aber von den Wählern durchaus wahrgenommen. Spätestens wenn der Wahl-O-Mat einem aufzeigt, dass die Piraten nicht die eigenen Position vertreten. Die Piraten-Kernthemen sind mir als langjähriges Mitglied immer noch sehr wichtig. Beim Wahl-O-Mat für Schleswig-Holstein kamen die Piraten allerdings nur deutlich abgeschlagen auf den 3. Platz. Ich hätte sie schon alleine wegen dem Kernthemen und Patrick dennoch gewählt, wenn ich in SH wohnen würde, ein Durchschnittswähler wäre aber vermutlich verprellt werden. Das Programm ist sozialökonomisch in den linkspopulistischen Bereich abgedriftet. Leider treffe ich immer wieder Menschen, denen Bürgerrechte zwar wichtig sind, die die Piraten aber deshalb nicht mehr wählen wollen.

    1. Hallo Sebastian,
      insbesondere dem letzten Absatz kann ich nur zustimmen. Auch ich habe als Kerni die Piraten beim Wahl-o-mat nur an dritter Stelle herausbekommen. Das sollte uns zu denken geben.

      Zur Personenfrage: Ich bin zu den Piraten gekommen, ohne auch nur ein einziges Gesicht zu kennen. Mir haben eher das Image der Macher und die kreativen Aktionen der Piraten imponiert. Das mit den Personen kam erst später, als ich tiefer eingetaucht bin.

      Michael hat vollkommen recht: Dieser irrationale Optimismus wird einfach völlig zurecht als weltfremd wahrgenommen. Zudem steht es im krassen Widerspruch zum ständigen Gejammer, dass die Partei von den Medien ignoriert oder totgeschwiegen wird.

  2. Zu2):
    In einigen Ländern und im Bund sind Parlamentsdebatten aus dem aufgeblähten öffentlich-rechtlichen Sendeplan völlig gestrichen bzw. auf DAB+ verbannt worden, es gibt nur ein paar Ausschnittchen. Das war in den 80ern noch anders…
    Für SH trifft das aber nicht zu, habe ich gehört…
    Nicht, dass ich das für wahlerfolgsentscheidend halte, aber bemerkens- und ändernswert ist es wohl – ein Stream erreicht eben nicht alle!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*