Das Meerwasser-Grundeinkommensmodell

oder: warum „durchgerechnet“ kein Qualitätskriterium ist.

In der Diskussion über ein bedingungsloses Grundeinkommen wird immer wieder mal darauf verwiesen, man habe ein „durchgerechnetes Modell“, oder es würde „durchgerechnete Modelle“ geben. Selbst wenn wir jetzt mal unterstellen, das durchgerechnete Modell wäre ein „mathematisch korrekt durchgerechnetes Modell“, taugt ein Modell nicht schon dadurch etwas, dass es „durchgerechnet“ ist.

Ok, man hebt sich damit zumindest mal von den Grundeinkommensbefürwortern ab, denen zur Finanzierung nichts Besseres einfällt, als „Wolfgang Schäuble hat mal gesagt, wir geben 1 Billion für Soziales aus“. Solche Finanierungsideen sind schon mal komplett intellektuell nicht satisfaktionsfähig, damit halten wir uns jetzt nicht auf.

Entscheidend bei einem Grundeinkommensmodell ist jedoch nicht, dass es „durchgerechnet“ ist, sondern dass die zugrundeliegenden Annahmen zumindest halbwegs etwas mit der Realität zu tun haben. Im Extremfall reicht schon eine einzige Annahme, die nicht stimmt, und man kann das komplette Modell „in die Tonne kloppen“.

Dafür trete ich jetzt den Beweis an und entwickle dabei das absurdeste Grundeinkommensmodell, das es gibt. Aber es ist ein durchgerechnetes Modell…

Ihr kennt sicher aus dem Drogeriemarkt oder der Apotheke den Meerwasser-Nasenspray. So etwas wie https://www.shop-apotheke.com/arzneimittel/40293/tetesept-meerwasser-nasenspray.htm (mal sehen, wie lange uns der Link erhalten bleibt…). Da drin ist Meerwasser. Verkauft für 23,95 € pro 100 ml, also 239,50 Euro den Liter.

Wenn man also einen Finanzierungsbedarf von 1497,6 Mrd Euro pro Jahr hat (83,2 Mio Menschen, 1500,- Euro mal 12 Monate), dann müsste man einfach nur 6,25 Mrd Liter Wasser aus der Ostsee abpumpen. Das klingt nach viel, aber auf die Fläche der Ostsee (377.000 km²) würde der Wasserstand um nur 0,0166 mm sinken. Das könnte man jetzt viele hundert Jahre machen, bevor der Wasserspiegel wahrnehmbar sinkt, zumal ja auch das Wasser über die Nordsee nachfließen würde – also ist das Ganze auch noch nachhaltig…

Absurd? Selbstverständlich. Ist es ein durchgerechnetes Modell. Ja, aber sicher. Und es stimmt bloß eine einzige Annahme nicht: Man kann nicht (jedes Jahr wieder) 6,25 Mrd Liter Meerwasser zu Apothekenpreisen verkaufen. Dafür gibt es keinen Markt.

Was ich damit zeigen möchte: Wir brauchen nicht nur „durchgerechnete Modelle“ (das ist so etwas wie die allersimpelste Grundvoraussetzung), sondern solche, bei denen der Realitätsabstand der Annahmen nicht zu groß wird. Bei denen die erforderlichen Voraussetzungen auch zutreffen. Bei denen der Abstand zwischen Linearitäten in den Annahmen und dem nie linearen Systemverhalten nicht zu groß werden. Bei denen Berücksichtigt wird, dann Menschen sich bei veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch anders verhalten werden, und, und, und…

Und wir brauchen kaufmännische Vorsicht, eher zu pessimistische Annahmen, Reserven in der Finanzierung für Fehlannahmen.

Wenn ich mir die Grundeinkommensmodelle ansehe, die so vorgeschlagen werden, und sie gegen diese Kriterien halte, dann bleibt leider nicht viel übrig. Das, was übrig bleibt, ist immer noch besser als das Hartz-IV-System – aber es ist nicht so attraktiv, wie viele BGE-Berfürworter es sich erträumen.

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